KI und die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie!

Was sich für Unternehmen und Kunden bei KI-Systemen ändert

Die Europäische Union hat mit der neuen Produkthaftungsrichtlinie (Richtlinie (EU) 2024/2853) einen wichtigen Schritt unternommen, um das Haftungsrecht an die digitale Realität anzupassen. Besonders im Fokus stehen moderne Softwarelösungen, künstliche Intelligenz (KI) und digitale Produkte.

Die Richtlinie ist bereits am 8. Dezember 2024 in Kraft getreten und muss bis spätestens 9. Dezember 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. Für Unternehmen und Verbraucher bedeutet das: Neue klare Regeln für Haftung, Sicherheit und Schadensersatz.

KI-Systeme gelten jetzt offiziell als „Produkt“

Bisher lag der Schwerpunkt des Produkthaftungsrechts vor allem auf klassischen physischen Produkten. Das ändert sich nun grundlegend. Künftig werden auch Softwarelösungen ausdrücklich als Produkt eingeordnet – dazu zählen unter anderem:

  • KI-Systeme
  • Apps
  • Betriebssysteme
  • Cloud-basierte Softwarelösungen (SaaS)
  • KI-Basismodelle

Das bedeutet: Auch digitale Produkte können künftig voll unter das Produkthaftungsrecht fallen – unabhängig davon, ob sie lokal installiert oder über die Cloud bereitgestellt werden.

Erweiterter Schutz für Kundinnen und Kunden

Neben klassischen Personen- und Sachschäden werden nun auch Schäden an Daten berücksichtigt. Das betrifft beispielsweise:

  • Verlust wichtiger Kundendaten
  • Beschädigung digitaler Informationen
  • fehlerhafte Datenverarbeitung durch KI-Systeme

Gerade im digitalen Geschäftsalltag ist dies ein bedeutender Fortschritt für Verbraucher und Unternehmen.

Wer haftet bei Schäden?

Die Verantwortung liegt nicht mehr ausschließlich beim ursprünglichen Hersteller. Haften können künftig unter anderem:

  • Hersteller von KI-Systemen
  • Software-Anbieter
  • Importeure
  • Bevollmächtigte
  • Fulfilment-Dienstleister

Besonders wichtig: Wer ein KI-System nachträglich wesentlich verändert – etwa durch größere Updates, Anpassungen oder Funktionserweiterungen – kann selbst als neuer Hersteller gelten und damit vollständig haften.

Beweiserleichterung für Geschädigte

Ein großes Problem bei komplexen KI-Systemen war bisher der Nachweis, wo genau ein Fehler entstanden ist. Die neue Richtlinie schafft hier deutliche Erleichterungen:

Kausalitätsvermutung

Unter bestimmten Voraussetzungen wird vermutet, dass ein Fehler des Produkts für den Schaden verantwortlich ist.

Offenlegungspflichten

Gerichte können Hersteller verpflichten, relevante Informationen offenzulegen, damit Betroffene einen Schaden überhaupt nachweisen können. Das sorgt für mehr Transparenz und besseren Verbraucherschutz.

Zusammenspiel mit dem EU AI Act

Parallel zur Produkthaftungsrichtlinie gilt bereits die neue EU-KI-Verordnung, der sogenannte AI Act. Während der AI Act vor allem Sicherheitsstandards, Dokumentationspflichten und regulatorische Vorgaben für KI-Systeme festlegt, regelt die Produkthaftungsrichtlinie die Frage:

Wer zahlt, wenn trotz aller Vorgaben ein Schaden entsteht?

Beide Regelwerke greifen also direkt ineinander.

Ausnahme für Open-Source-Software

Nicht jede Software fällt automatisch unter die neue Haftung.

Open-Source-Software, die außerhalb einer geschäftlichen Tätigkeit genutzt wird, ist in der Regel von der Produkthaftung ausgenommen.

Für kommerziell eingesetzte Systeme gelten jedoch deutlich strengere Maßstäbe.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Auch wenn die vollständige Umsetzung erst bis Dezember 2026 erfolgen muss, sollten Unternehmen bereits jetzt handeln:

  • Haftungsrisiken analysieren
  • Dokumentationsprozesse verbessern
  • Update- und Änderungsmanagement prüfen
  • Verantwortlichkeiten bei KI-Systemen klar definieren
  • Verträge mit Dienstleistern und Herstellern überprüfen

Gerade für Unternehmen, die KI aktiv einsetzen oder digitale Produkte anbieten, wird Compliance künftig ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.

Unser Fazit

Die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie bringt deutlich mehr Klarheit – aber auch mehr Verantwortung. Für Kundinnen und Kunden bedeutet das mehr Schutz und bessere Möglichkeiten, Schäden geltend zu machen. Für Unternehmen steigen gleichzeitig die Anforderungen an Sicherheit, Transparenz und rechtssichere Prozesse. Wer sich frühzeitig vorbereitet, minimiert nicht nur Risiken, sondern stärkt auch nachhaltig das Vertrauen seiner Kunden.

Die Zukunft digitaler Produkte ist nicht nur innovativ – sie muss auch haftungssicher sein.